Mit grosser Vorfreude und schön gestalteten Karten machten wir uns zur Brücke am Nil auf. Jedoch wurde unsere Vorfreude schon bald getrübt, da uns MitaktivistInnen entgegen kamen und berichteten, dass sie von der Polizei von der Brücke weggeschickt und ihre Karten konfisziert worden sind. Tatsächlich waren am Brückengeländer keine Karten mehr zu sehen. Wir entschlossen uns daher unsere Karten an einen Baum zu hängen. Kaum hatten wir sie aufgehängt kamen Sicherheitskräfte in zivil und entfernten sie wieder. Diese Begegnung war ein frustrierendes Erlebnis, wir liessen uns jedoch nicht einschüchtern und machten uns auf den Weg zur Nil-Kerzen-Aktion.
Der Weg führte uns am Nil entlang, der in der Abendsonne einen atemberaubenden Anblick bot. Aus allen Richtungen kamen TeilnehmerInnen zum Bootssteg, dessen Zugang aber
bereits von vier mit Kalaschnikow bewaffneten Polizisten blockiert wurde. Schlussendlich standen Hunderte von AktivistInnen vor dem blockierten Zugang. Wir stimmten Lieder an und zündeten die für den Nil geplanten Kerzen an. Da das Verharren und Singen nach einer Stunde nicht zum gewünschten Zugang zu den Booten führte, setzten wir uns entlang dem Nil in einem Kerzen-Umzug und Sprechchören, die ein Ende der Blockade forderten, in Bewegung. Der Umzug wurde schnell gestoppt, indem uns zivile und uniformierte Polizisten umringten. Nach einer halben Stunde konnten wir uns grüppchenweise aus der Umzingelung lösen. Die Aktion konnte also alles andere als geplant durchgeführt werden, wurde aber von vielen Medienleuten begleitet. So wurde auch jemand von unserer Delegation von dem Magazin Incontro Mediterraneo interviewt.Nachdem sich die Aktion aufgelöst hatte, konnten wir zu zweit den Bootssteg ohne Probleme betreten und mit den Bootsvermietern sprechen. Sie erzählten uns, dass sie die Boote natürlich gerne vermietet hätten, es jedoch Probleme mit der Polizei gegeben hätte, die ihnen das Vermieten für die Gruppe untersagt hatten.
Nach einer kurzen Pause, in der wir uns eine verdiente Mahlzeit gönnten, machten wir uns auf den Weg zum riesigen und belebten Tahrir Square, wo ein Meeting mit allen Gaza Freedom March TeilnehmerInnen geplant war. Die Idee sich dort zu versammeln hatte den Hintergrund, es zu ermöglichen, dass sich alle treffen können, trotz des Versammlungsverbotes von über 6 Personen. Als wir ankamen, waren schon viele Polizisten auf dem Platz, die sich unter die Menschenmenge mischten. Ebenfalls befanden sich viele ägyptische PendlerInnen auf dem Platz, die von den Polizisten gezielt weggeschickt wurden. Die Versammlung der GFM TeilnehmerInnen liessen sie gewähren und zum ersten Mal konnten wir die Koordinatoren vereint hören und sehen. Die Informationen waren nicht erfreulich, denn bis jetzt beharren die ägyptischen Behörden darauf uns nicht mit Bussen in Richtung Grenze von Gaza fahren zu lassen. Wichtig bleibt daher nach wie vor der Druck aus der Schweiz auf die ägyptische Botschaft in Bern und das ägyptische Aussenministerium in Kairo.
Aus der Schweiz konnten wir vernehmen, dass die Startaktion auf dem Bundesplatz in Bern ein grosser Erfolg war. Die Fotos der Lichterskulpturen haben uns sehr beeindruckt! Vielen Dank für eure Solidarität mit Gaza und Gratulation zu diesem wunderschönen und geglückten Start!
Dies motiviert uns sehr, morgen einen Schritt weiter zukommen!





